News von RMCH
Dezember 2025: RMCH unterstützt die STOP FASD-Kampagne des D 1870
Die Abkürzung FASD steht für Fetale Alkohol-Spektrum-Störungen, die durch den Genuss von Alkohol während der Schwangerschaft, auch in geringen Mengen, entstehen können.
Das Zellgift Alkohol geht 1:1 in die Gebärmutter über und wirkt auf das ungeborene Kind bis zu 10-mal länger als auf die Mutter. Während dieser Zeit zerstört es vorhandene und verhindert die Bildung gesunder neuer Zellen. Die Fehlbildungen führen zu irreversiblen Störungen. Neben anatomischen Missbildungen ist regelmäßig das Gehirn betroffen. Je nach Zeitpunkt und Intensität des Alkoholkonsums werden lebenslängliche Gehirnschäden angelegt, die zu mehr oder weniger intensiven Verhaltensstörungen, teils massivem mit Behinderungscharakter, führen.
FASD ist die häufigste angeborene Behinderung in Deutschland, aber auch in den meisten anderen Ländern der Welt.
Jährlich sind über 15.000 Neugeborene (rd. 1,8 Prozent) in Deutschland betroffen, rund 5.000 durch massive Verhaltensstörungen. Von ihnen bleiben 70 Prozent lebenslänglich von Betreuung und Fürsorge abhängig. Nur 25 Prozent schließen mit Erfolg eine Schule ab. 20 Prozent aller in Deutschland in ständiger Betreuung lebenden Jugendlichen sind von FASD betroffen.
Jedes Kind kostet neben dem persönlichen Leid die Gesellschaft bis zum 18. Lebensjahr jährlich durchschnittlich 32 Tsd. Euro, alle zusammen insgesamt rund 9 Milliarden. Dazu kommen die Kosten für mehr als 1 Millionen betroffene Erwachsene.
Keine Mutter will bewusst ihr Kind schädigen. Aber trotz der fatalen Fakten zu FASD trinken in Deutschland 25 Prozent der Schwangeren mehr oder weniger häufig Alkohol, weil sie die Risiken nicht kennen. In gehobenen sozialen Schichten sind es sogar 30 Prozent.
Nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch bei den relevanten medizinischen Berufsgruppen, Beratungs- und Betreuungseinrichtungen ist das Wissen um FASD erschreckend beschränkt. Deshalb ist das oberste Ziel der Kampagne Aufklärung. Hierzu werden gezielt ärztliche Praxen, Apotheken, Beratungseinrichtungen, Schulen, Hochschulen etc. persönlich angesprochen und mit instruktiven Aushängen und Flyern ausgestattet. Zusammen mit der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsfortbildung (äggf) werden Aufklärungsveranstaltungen an Schulen durchgeführt.
Die vom RC Düsseldorf-Süd vor 3 Jahren initiierte Kampagne ist inzwischen dauerhaftes Flagship-Projekt des Distriktes 1870.
Jeder kann helfen!
Die Kampagne STOP FASD ist eine großartige Gelegenheit für alle Rotariererinnen und Rotarier, sich aktiv zu beteiligen, schlimmes Leid zu verhindern. Auf der Internetseite des RC Düsseldorf-Süd (https://duesseldorf-sued.rotary.de) finden sich umfangreiche Informationen zu FASD, zu der Kampagne und auch dazu, wie jeder mitmachen kann.
Wer sich selbst informiert, kann, auch andere sensibilisieren und so dazu beitragen, Menschen die Chance auf ein würdiges Leben zu geben. Im persönlichen Umfeld fängt es an. Darüber hinaus sind keine Grenzen gesetzt.
Eine Anfrage „Rotary FASD“ in einer Internetsuchmaschine gibt Hinweise zu zahlreichen rotarischen Projekten und Initiativen, unter anderem der Kampagne STOP FASD.
Das zurzeit im Distrikt laufende District-Grant-Projekt zu Aufklärungsveranstaltungen in Schulen steht für alle Clubs in D-A-CH offen.
Zu Fragen und zur persönlichen Unterstützung steht das Team gerne zur Verfügung (FASD@rotary1870.de).
November 2025: Bericht von der Mitgliederversammlung am 15.11.2025
Am 15. November 2025 fand unsere Mitgliederversammlung in Frankfurt am Main statt. Neben zahlreichen Mitgliedern in Präsenz, waren ebenfalls 10 Mitglieder per ZOOM zugeschaltet, so dass unsere MV in bewährter Form hybrid stattfinden konnte.
Auch RMCH muss sich den neuen Bedingungen in der Entwicklungszusammenarbeit stellen, die durch die globale Finanzierungsrückgänge ergeben. Unsere Mitarbeiterin Tina Bauer-Odong führte uns als Auftakt in die MV in das Ausmaß der Kürzungen ein. Es handelt sich um eine beispielslose Krise, die sich daraus ergibt, dass die USA (Kürzung um 42% der Mittel), Großbritannien, Frankreich und Deutschland (Kürzung um 8% der Mittel) erstmals gleichzeitig Finanzierungshilfen, noch dazu im großen Stil, kürzen. Besonders betroffen sind Programme zu Malaria, Polio und Wasser. Dadurch dass für die Mutter- und Kindergesundheit kritische Bereiche betroffen sind, kommt es zu einem Anstieg der Kindersterblichkeit durch extreme Hungernot, Schließung von Kliniken für lebensrettende Behandlungen, Anstieg von Neuinfektionen und Verlust von Fachkräften. Kurzfristig ist diese Krise nicht zu kompensieren. Vor diesem Hintergrund hat das Engagement vom RMCH noch an Bedeutung gewonnen.
Dieser Aufforderung hat sich der auf der letzten MV neu gewählte Vorstand angenommen und zum Beispiel auf einem Strategiemeeting im August 2025 in Ludwigshafen zahlreiche positive Entwicklungen angestoßen, die sich auch in den Rechenschaftsberichten widerspiegeln. Highlights aus den Berichten sind:
- Ausschuss Internationale Beziehungen: RMCH hat in 119 Ländern Mitglieder, stärkere Zusammenarbeit der Ländersektionen, Stand auf der Rotary Convention in Calgary 2025
- Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit: Der Jahresbericht erscheint im neuen Format, welches einen sehr guten Einblick in unsere Aktivitäten gibt. Klare Leseempfehlung. Sie finden ihn hier.
- Ausschuss Mitgliederbetreuung: Es liegt eine strukturierte Übersicht über alle Mitglieder vor, viele Distrikte haben schon aktive Distriktbotschafter*innen, geplant ist eine vermehrte Teilnahme an rotarischen Veranstaltungen mit pointierten Vorträgen
- Rotaract Vertretung: Durch einen Besuch unserer Vorstandsvorsitzenden Talke Schaffrannek auf der Sitzung des Rotaract Deutschland Komitee konnte neues Interesse geweckt und es konnten neue Mitglieder gewonnen werden.
- Innerwheel Vertretung: Auch hier ist das Engagement ungebrochen
- Nigeriaprojekte: Die Projektansätze des Program of Scale sind nachweislich effektiv, z. B. ist die Anzahl der Todesfälle von Neugeborenen und Müttern im Projektgebiet um 20-28% gesunken (Stand Dezember 2024); es wurde ein Großspende eines nigerianischen Philanthropen (s.u.) für das PoS angekündigt, das Projekt Little Steps, big help im Süden des Landes läuft ebenfalls erfolgreich
- Projektentwicklung: RMCH bietet tatkräftige Unterstützung bei der Konzeption und Beantragung von Projekten und u.a. einen Schritt-für-Schritt Leitfaden (auch auf Englisch!) mit vielen Hilfen
- Projektcontrolling: Die Clubprojekte laufen gut, es sind drei völlig neue Projekte dazu gekommen.
Unser Beiratsvorsitzender, Prof. Dr. Jürgen Wacker, gab abschließend eindrückliche Impulse zum Thema „Geburtshilfe unter einfach Bedingungen“. Wenn Sie das nächste Mal gern bei der MV dabei wären, dann merken Sie sich schon einmal den 21.11.2026 vor.
November 2025: Unser Jahresbericht 2024/2025 ist fertig!
Unser Jahresbericht 2024/25 ist fertig. Herzlichen Dank an Tina Bauer-Odong, welche diesen federführend erstellt hat. Der Jahresbericht kann hier heruntergeladen werden.
Oktober 2025: Für jede Mutter, für jedes Kind– warum es mir nie schwerfällt, zur Arbeit zu gehen
Ein Artikel von unserem Kommunikationsbeauftragten Olubunmi Afolabi, der seit über zweieinhalb Jahren engagiert im Projekt „Gemeinsam für gesunde Familien in Nigeria“ arbeitet.
Ich habe selten Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen. Der Gedanke an die zahllosen Leben, die durch unser Projekt Gemeinsam für gesunde Familien in Nigeria, ein Gewinner des Programs of Scale, berührt werden, gibt mir Kraft für jeden neuen Tag. Statistiken zur Müttersterblichkeit in Nigeria – 512 Todesfälle auf 100.000 schwangere Frauen – mögen auf dem Papier gesichtslos erscheinen, aber nicht für mich. Ich sehe die Mütter. Ich sehe die Babys. Ich habe in denselben Räumen gestanden, in denen sich hinter jeder Zahl entweder der Schmerz eines Verlustes oder die Freude eines geretteten Lebens verbarg.
Am zweiten Tag unserer Schulung zur Notfallgeburtshilfe- und Neugeborenenversorgung (EmONC) kam eine Frau in den Wehen in ein nahegelegenes Gesundheitszentrum in Aaye im Bundesstaat Ekiti. Was sich nach meiner Ankunft dort ereignete, werde ich niemals vergessen. Die Frau war bereits fünfmal schwanger gewesen und trug nun Zwillinge aus, die etwa 36 Wochen alt waren.
Die Situation war angespannt. Das Gesundheitszentrum war unterbesetzt, und die verantwortliche Krankenschwester und Hebamme waren abwesend. Eine Gemeindegesundheitshelferin war eingesprungen, um die Geburt zu begleiten. Sie war zwar keine ausgebildete Hebamme, aber sie hatte in einer EmONC-Schulung durch unser Projekt lebensrettende Fähigkeiten erworben.
Das erste Kind kam schnell, mit dem Kopf voran, um 8:30 Uhr. Die Schreie des Neugeborenen erfüllten den Raum, und für einen Moment fiel eine Welle der Erleichterung über uns. Doch beim zweiten Kind traten Komplikationen auf. Es lag in Beckenendlage, und trotz aller Bemühungen der Gesundheitshelferin ging die Geburt nicht voran. Die Zeit schien stillzustehen. Angst legte sich schwer über den Raum.
Alle wussten sofort, was getan werden muss. Es wurde sofort eine Überweisung veranlasst, und dank der Schulung und guten Koordination untereinander handelten ein leitender Arzt und eine Krankenschwester, die an der zeitgleich stattfindenden nahegelegenen Schulung teilnahmen, ohne zu zögern. Gemeinsam brachten sie die Mutter ins Allgemeinkrankenhaus in Iyin Ekiti.
Stunden später stand ich an ihrem Bett, als das zweite Kind um 12:25 Uhr sicher geboren wurde. Beide Babys, zwar klein – 1,9 kg und 2,0 kg – aber sie atmeten stetig. Doch es war noch nicht vorbei. Plötzlich begann die Patientin zu bluten – postpartale Hämorrhagie, eine der Hauptursachen für Müttersterblichkeit in Nigeria. Rasch wurde Oxytocin verabreicht, gefolgt von Misoprostol. Langsam ließ die Blutung nach. Das Leben der Mutter war gerettet.
In dieser Nacht, als ich mich hinlegte, dachte ich an ihr Gesicht – blass, aber lächelnd – und an die winzigen Gestalten ihrer Kinder, eng an ihrer Seite geborgen. Ich dachte an die Gesundheitshelferin, deren Ausbildung ihr den Mut gegeben hatte, es zu versuchen, an das Überweisungssystem, das funktionierte, als es kompliziert wurde, und an das Krankenhaus-Team, das nicht aufgab, bis Mutter und Kinder in Sicherheit waren.
Für mich war dies mehr als nur ein weiterer Arbeitstag. Es war eine erneute Bestätigung meiner Berufung. Diese Erfahrung erinnerte mich daran, dass sich hinter jeder Statistik eine Geschichte verbirgt – eine Mutter, ein Kind, eine Familie, eine Zukunft. Sie machte mir auch deutlich, was ich seitdem in jedes Training und jedes Gespräch mitnehme: die Bedeutung rechtzeitiger Überweisungen und die Stärkung unserer Gesundheitssysteme.
Wenn mich Menschen fragen, warum ich diese Arbeit mache, denke ich an diese Frau, ihre Zwillinge und die Hunderttausenden von Familien, die durch die Bemühungen von Rotary und der Rotary Action Group for Reproductive, Maternal and Child Health erreicht werden. Ihre Geschichten sind der Grund, warum ich jeden Morgen aufstehe – voller Vorfreude, diese Arbeit fortzusetzen.
Dieser Artikel erschien im englischen Original am 18.09.2025 bei Rotary 360° – dem offiziellen Blog von Rotary International.
Oktober 2025: Projektabschluss unter besonderen Herausforderungen: Projekt zur Verbesserung der Qualität und des Zugangs zur Gesundheitsdienstleistungen für Schwangere und entbindende Frauen in Kano and Zari, Nigeria, 2022-2025
Im Oktober 2025 stand der Projektabschlusses des Projekts „Improving quality and access to antenatal care for healthy pregnancy and delivery in Kano and Zari 2022-2025” der Rotary Clubs Bielefeld-Sparrenburg, Bielefeld-Süd, Colchester und Zwolle in Zusammenarbeit mit dem Rotary Club Kano Dala Sunrise an. Das Ziel war, in 48 lokalen Verwaltungsbezirken mindestens jeweils einen Gemeindedialog zur Aufklärung über Familienplanung durchzuführen, 48 Herztonmessgeräte (Fetal Heart Rate Monitors = FHRM) in Krankenhäusern einzuführen und das Personal in deren Bedienung zu schulen sowie ebenfalls dort ein dem „Mutterpasses“ ähnliches Dokument (engl: antenatal health cards; kurz ANCs) zur Überwachung der Gesundheit der werdenden Mutter einzuführen. Das Projektvolumen lag bei 88.690 USD und wurde durch die beteiligten Rotary Clubs, dem Distrikt 1900, TRF sowie RMCH zusammengetragen. Zum Ende der Projektlaufzeit haben die Hälfte der geplanten Gemeindedialoge stattgefunden. Die FHRMs sowie die ANC-Cards waren an das Gesundheitsministerium in Kano übergeben, jedoch waren weder die FHRMs noch die ANC-Cards an die Krankenhäuser verteilt noch das Personal in der Verwendung dieser geschult worden. Dieses vom Ziel deutlich abweichende Projektergebnis ist auf zwei Herausforderungen zurückzuführen. Erstens, hat die galoppierende Inflationsrate, von im Oktober 2022 14% bis zum bisherigen Höchststand von 34% im Oktober 2024, die insbesondere die Lebensmittel und die Energiepreise betraf, dazu geführt, dass die Transportkosten für die Verteilung der FHRMs und ANC-Cards sowie die Reise- und Unterbringungskosten für die Trainer*innen und die Teilnehmer*innen an den Schulungen ins unermessliche stieg. Erschwerend kam, zweitens, dazu, dass die Projektmittel komplett zu Projektbeginn nach Nigeria überwiesen wurden und dementsprechend dem extremen Werteverlust der nigerianischen Währung (NAIRA) unterlagen. Vor diesem Hintergrund sind wir auch für dieses Projektergebnis sehr dankbar und schätzen den unermüdlichen Einsatz der Rotarier des RC Kano Dala Sunrise, ohne den die Durchführung des Projekts unter diesen Umständen nicht möglich gewesen wäre. Genau dies stimmt uns zuversichtlich, dass dieses Engagement und die gute Vernetzung unser Partner vor Ort mit anderen Projekten, die von RMCH gefördert werden, dabei helfen wird, dass die FHRM und ANC-Cards vom Gesundheitsministerium verteilt und das Personal entsprechend geschult wird.
September 2025: Der Film über das Program of Scale Projekt
Über unser Programs of Scale Projekt Together for Healthy Families in Nigeria in Nigeria ist ein eindrücklicher Film gedreht worden. Sie finden ihn hier auf Englisch und hier mit deutschen Untertiteln.
August 2025: Gesundheit von Mutter und Kind in Nigeria – Aktuelle Ergebnisse der landesweiten Qualitätssicherung
In dem Beitrag von Januar 2025 auf dieser Seite haben wir die von RMCH entwickelte Nigeria Obstetric Quality Assurance (NOQA)-Plattform vorgestellt – ein webbasiertes System, das das frühere papierbasierte Verfahren ablöste und erstmals eine Echtzeit-Erfassung und -Analyse maternaler Todesfälle in Nigeria ermöglicht.
Mit der offiziellen Übergabe der NOQA- Plattform an das Bundesgesundheitsministerium wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht. Seitdem liegt die Verantwortung für die landesweite Erfassung qualitätsrelevanter Daten zu Schwangerschaft und Geburt beim Bundesgesundheitsministerium – ein klares Signal für Nigerias Eigenverantwortung in der Verbesserung der Gesundheitsversorgung.
Die Zahlen in Nigeria verdeutlichen den Handlungsbedarf für eine umfassende Datenerfassung:
- 2023 wurden landesweit 7,5 Millionen Kinder geboren, davon 2,4 Millionen in circa 40.000 Krankenhäusern, während 4,8 Millionen, also 64 % der Geburten außerklinisch stattfanden.
- Für 2024 wurden laut World Bank circa 233 Millionen Menschen in Nigeria gezählt. Pro Jahr sterben circa 75.000 Mütter während der Schwangerschaft, während oder nach der Entbindung. Das entspricht etwa einem Fünftel aller maternalen Todesfälle weltweit (World Bank 2023)
Diese erschütternden Zahlen belegen die Notwendigkeit, jeden maternalen Todesfall im Detail zu analysieren. Die von der WHO erstmals 2013 erstellte und 2015 vom Bundesgesundheitsministerium übernommene und adaptierte Richtlinie wurde 2022 in den nationalen MPCDSR* Richtlinien festgeschrieben. Darin wird der Einsatz der von RMCH entwickelten NOQA-Plattform zur verpflichtenden Dokumentation, Meldung und Einzelfallanalyse maternaler Todesfälle festgeschrieben. Effektive und zudem ressourcenschonende Interventionsmaßnahmen sind nur mit belastbaren Daten über mögliche Ursachen von Todesfällen möglich.
Manche der bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend:
- Die Rate gemeldeter Todesfälle bezogen auf alle dokumentierten Todesfälle (Notification Rate) in der North Central Zone (Abbildung 1) hat sich auf circa 80% gesteigert. Dies bedeutet, dass immer mehr der erfassten Todesfälle auch entsprechend der Richtlinien gemeldet werden (Abbildung 2).
- Die Rate an Einzelfallanalysen (Review Rate) bezogen auf alle gemeldeten Todesfälle, hat sich von 40% auf 55% verbessert (Abbildung 3).
Allerdings hat die Anzahl in der Plattform landesweit dokumentierter Geburten bezogen auf alle tatsächlich erfolgten Geburten seit 2019 abgenommen. Die Vollzähligkeit erfasster maternaler Todesfälle hat dementsprechend ebenfalls abgenommen. Grund für die fallende Compliance sind in der Regel oft organisatorischer und struktureller Natur. Um diesem Abwärtstrend zu begegnen, sollen kurzfristig durch intensive Maßnahmen in einer kleinen Region maximale Erfassungsraten vor allem im außerklinischen Bereich sogenannte Centers of Excellence entstehen, die dann als Benchmark für Nachbarregionen fungieren können.
Ein vielversprechendes Resultat in diesem Zusammenhang: In Kliniken, die von den Maßnahmen unseres „Program of Scale“ Projektes profitierten und in denen die Daten vollständig erfasst wurden, sank die maternale Mortalitätsrate zwischen 2022 und 2025 von 145 auf 39 pro 100.000 Lebendgeborene, also um sehr erfreuliche 73%.
Summa summarum zeigen diese Ergebnisse somit, dass die Plattform ihre Wirkung entfaltet und unsere Unterstützung sich lohnen kann: Todesfälle werden häufiger gemeldet, Einzelfallanalysen etablieren sich als Instrument der Qualitätsverbesserung, und Interventionsmaßnahmen können abgeleitet werden. RMCH unterstützt die zuständigen MPCDSR-Komitees weiterhin mit Schulungen, damit aus jedem Fall konkrete Verbesserungen im Gesundheitssystem abgeleitet werden können.
Die Übernahme der Plattform durch das Bundesgesundheitsministerium stellt die Nachhaltigkeit sicher – ein Erfolg jahrelanger Zusammenarbeit und Advocacy-Arbeit. Künftig wird unser Schwerpunkt auf der Qualitätsverbesserung der Daten und der konsequenten Umsetzung von Interventionsmaßnahmen, auch bei außerklinischen Todesfällen liegen.
Ein
besonderer Dank gilt Dikko Ubaidullah (Abbildung 4), Systemadministrator in der Abteilung für Information and Kommunikationstechnologie des Bundesgesundheitsministeriums, für seine Unterstützung bei der Datenauswertung.
Die Ergebnisse zeigen: Mit belastbaren Daten können Leben gerettet und die Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern in Nigeria nachhaltig verbessert werden.
*Maternal, Perinatal and Child Death Surveillance and Response (Überwachung von und Intervention nach Todesfällen bei Müttern, Neugeborenen und Kindern)
Juni 2025: Halbzeitbilanz: Gemeinsam für gesunde Familien in Nigeria
Im Rahmen unseres Projekts Together for Healthy Families in Nigeria fand zur Halbzeit eine umfassende Evaluation durch ein externes Unternehmen statt.
Eine Evaluation ist eine systematische Untersuchung, mit der überprüft wird, wie gut ein Projekt funktioniert – also ob die geplanten Maßnahmen tatsächlich die gewünschten Veränderungen bewirken. In unserem Fall, ob unsere Aktivitäten dazu beitragen, unser zentrales Ziel zu erreichen: die Reduzierung der Mütter- und Neugeborenensterblichkeit um 25%.
Die Evaluation macht sichtbar, ob zum Beispiel mehr Frauen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, ob mehr Geburten in Gesundheitseinrichtungen stattfinden und ob dadurch tatsächlich weniger Mütter und Neugeborene sterben. Die Evaluation liefert verlässliche Daten und Rückmeldungen aus den Projektgemeinden und Gesundheitszentren, die uns helfen, zu erkennen, was bereits gut läuft, wo es Verbesserungsbedarf gibt und wo das Projekt gezielt nachgesteuert werden muss. Denn nur durch genaues Hinsehen können wir wirksam und nachhaltig handeln.
Was wurde untersucht?
Die Evaluation stützte sich auf verschiedene Datenquellen, darunter Interviews mit Gemeindemitgliedern, Gesundheitspersonal und staatlichen Akteuren. Auch nationale Gesundheitsstatistiken aus den Jahren 2021 bis 2024 fanden Verwendung. Dabei wurden unsere 7 Projektdistrikte und 49 Gesundheitseinrichtungen mit solchen verglichen, die nicht Teil des Projekts sind.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
- Die Neugeborenensterblichkeit sank um 28 %, die Müttersterblichkeit um 20 %.
- Die Anzahl der Patient:innen, die auf Empfehlung von Gemeindegesundheitshelfer:innen eine Gesundheitseinrichtung aufsuchten, stieg um 82 %. Aufklärung durch Gemeindedialoge und das Engagement durch die Gemeindegesundheitshelfer:innen während der Hausbesuche trugen maßgeblich dazu bei.
- Die Inanspruchnahme von RMCH-Dienstleistungen (reproduktive, Mütter-, Neugeborenen- und Kindergesundheitsleistungen) stieg in der Zielgruppe um 24 %. Dieser Anstieg ist auf verbesserte Versorgungsangebote zurückzuführen, die durch intensive Schulungen des Gesundheitspersonals sowie umfassende Aufklärungsarbeit in den Gemeinden zu Themen wie Schwangerschaftsvorsorge, Geburt, Nachsorge und Familienplanung ermöglicht wurden.
- Die Teilnahme an Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen stieg um 14 %, die an Nachsorgeuntersuchungen um 10 %. Auch dieser Anstieg lässt sich auf verbesserte Gesundheitsdienstleistungen und eine intensive Aufklärung in der Bevölkerung zurückführen
- In den Projektregionen gab es 5 % mehr Geburten in den Gesundheitszentren – ein wichtiger Schritt für sichere Geburten.
- Die Nutzung moderner Verhütungsmethoden nahm um 32 % zu. Aufklärung in den Gemeinden, ein verbessertes Angebot von Familienplanungsdiensten in den Gesundheitszentren und bessere Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln spielen dabei eine zentrale Rolle.
- Die Dateneingabe in die MPCDSR-Plattform (zur Überwachung von Todesfällen bei Mütter- und Kindern) erreichte eine Nutzungsrate von 88 %. Die Nutzung der MPCDSR-Plattform ist deshalb so wichtig, weil sie verlässliche und aktuelle Daten zu Todesfällen bei Müttern und Kindern liefert. Diese Informationen sind entscheidend, um Ursachen besser zu verstehen, gezielte Maßnahmen abzuleiten und zukünftige Todesfälle wirksam zu verhindern.
Herausforderungen
Trotz der positiven Entwicklungen bleiben einige zentrale Herausforderungen bestehen. Das größte Hindernis für viele Frauen, in einer Gesundheitseinrichtung zu entbinden, ist der oft mangelnde Zugang zu Transportmöglichkeiten oder fehlende finanzielle Mittel.
Zudem bestehen kulturelle Barrieren: In manchen Regionen bevorzugen Frauen religiöse Einrichtungen zur Entbindung, obwohl dort häufig kein qualifiziertes Gesundheitspersonal zur Verfügung steht.
Nachhaltigkeit
Zur Sicherung der langfristigen Wirkung des Projekts haben alle vier Projektstaaten Absichtserklärungen unterzeichnet, in denen sie sich zur schrittweisen Übernahme zentraler Projektaktivitäten verpflichten. Dazu zählen unter anderem die kontinuierliche Fortbildung von Gesundheitspersonal, die Integration bewährter Maßnahmen in die staatlichen Strukturen sowie die Stärkung der Gesundheitsinformationssysteme und der Gemeindearbeit. Der Bundesstaat Nasarawa nimmt hierbei eine Vorreiterrolle ein und setzt bereits seit geraumer Zeit eigenständig Projektinterventionen in Regionen um, die nicht durch das Program of Scale unterstützt werden. Die Bundesstaaten bekräftigten damit ihr Engagement für eine nachhaltige Verbesserung der reproduktiven Gesundheit und der Gesundheitsversorgung von Müttern und Neugeborenen.
Ausblick
Für die weitere Umsetzung des Projekts sowie die geplante Ausweitung auf weitere Bundesstaaten Nigerias – ermöglicht durch eine großzügige Spende der Sir Emeka Offor Stiftung – prüfen wir derzeit verschiedene evidenzbasierte Maßnahmen. Die Erkenntnisse aus der Evaluation sind dabei von zentraler Bedeutung, um in der zweiten Projektphase gezielt auf bestehende Herausforderungen zu reagieren. Dazu zählen unter anderem Transportlösungen, finanzielle Unterstützungsmodelle und eine verstärkte Aufklärungsarbeit in den Gemeinden bezgl. der Entbindung in Gesundheitszentren.
Mai 2025: Einblicke in die Projektarbeit in Nigeria: Interview mit Tina Bauer-Odong
In Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, stellen Malaria und Mangelernährung bedeutende gesundheitliche Herausforderungen insbesondere für Mütter und deren Kinder dar. Ein Viertel der weltweiten Malariafälle tritt hier auf, und laut UNICEF sind rund zwei Millionen Kinder von akuter Mangelernährung betroffen. Um diesen Problemen auf lokaler Ebene zu begegnen, initiierten der RC Hanau und RMCH gemeinsam mit dem nigerianischen Partnerclubs RC Gbagda und Ewukutu im Jahr 2023 das Projekt „Little Steps-Big Help“. Dieses dreijährige Projekt, maßgeblich unterstützt durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung, umfasst Schulungen in und Ausstattung der Gesundheitseinrichtungen, Aufklärungsarbeit sowie Stakeholder-Workshops in drei Bundesstaaten im Südwesten Nigerias.
Was war der konkrete Anlass deiner Nigeria-Reise im März 2025?
Hauptgrund war es, das Projekt persönlich kennenzulernen. Solche Besuche sind wichtig, um das Team und die Arbeit vor Ort direkt zu erleben. Nach anderthalb Jahren erfolgreicher Projektarbeit wollte ich die Menschen dahinter treffen und an Interventionen teilnehmen, um Herausforderungen besser zu verstehen und die gute Zusammenarbeit weiter zu stärken.
Du hast an drei verschiedenen Gemeindedialogen teilgenommen. Kannst du ein Beispiel schildern? Welche Komponenten gab es und wie wirkten sie zusammen?
Ein gutes Beispiel ist ein „Clustered Community Outreach“. Dort kamen ca. 250 schwangere Frauen und Mütter mit Kleinkindern zusammen. Zuerst wurden sie zu Malaria und Mangelernährung aufgeklärt und konnten sich im Anschluss auf Malaria testen und behandeln lassen. Parallel erfassten wir den Ernährungszustand der Kinder und luden mangelernährte Kinder mit deren Müttern zu „Kochdemonstrationen“ in den zuständigen Kliniken ein. Dort lernten Mütter, nahrhafte Mahlzeiten zuzubereiten und die mangelernährten Kinder erhielten von uns Mikronährstoffe. Da die Dialoge regelmäßig stattfinden, können wir Fortschritte dokumentieren.
Wichtig sind auch Dialoge in sog. „Community Birth Attendant Homes“. Da viele Entbindungen leider nicht in Kliniken stattfinden und es in den traditionellen Geburtshäusern an Ausstattung mangelt, klären wir werdende Mütter dort über Malaria und Mangelernährung in der Schwangerschaft auf und verteilen vorsorglich Malariamedikamente und Moskitonetze. Die Zusammenarbeit mit staatlichen Kliniken hat sich dadurch verbessert, was auch frühzeitige Überweisungen bei Komplikationen erleichtert.
Gab es bei einem der Gemeindedialoge ein besonders bewegendes Erlebnis?
Ja, bei einer Kochdemonstration in Lagos fiel mir ein sehr mageres, etwa neun Monate altes Mädchen auf. Sie aß den zubereiteten Süßkartoffelbrei mit Linsen mit großem Appetit. Ihre Mutter war alleinerziehend und hatte einen kleinen Laden, mit dem sie mit Mühe und Not ihren Lebensunterhalt bestritt. Das zeigte mir, dass es oft nicht nur an Wissen über Ernährung mangelt, sondern auch an Zeit und Geld. Unsere Dialoge leisten einen wichtigen Beitrag, aber finanzielles Empowerment für Frauen scheint ebenso wichtig im Kampf gegen die hohe Mütter- und Kindersterblichkeit im Land zu sein.
Konntest du direkte Auswirkungen auf die Gesundheit der Frauen und Kinder beobachten?
Eine umfassende Zwischenevaluierung findet bald statt. Mit den selbst erhobenen Zahlen konnten wir aber bereits positive Veränderungen feststellen. Bei wiederholten Gemeindedialogen in denselben Regionen konnten wir bereits einen signifikanten Rückgang der Fälle von Malaria und Mangelernährung verzeichnen. Auch die verbesserte Zusammenarbeit zwischen den Geburtshäusern und staatlichen Kliniken sind positive Signale.
Bei den Gemeindedialogen werden auch Moskitonetze verteilt. Reichen die vorhandenen Spenden aus, um den Bedarf bei allen geplanten Aktionen zu decken?
Die gespendeten Moskitonetze haben uns bisher sehr geholfen und einen wichtigen Beitrag zur Malariaprävention geleistet. Allerdings sehen wir, dass der Bedarf in den Gemeinden weiterhin sehr hoch ist und wir für die geplanten, noch stattfindenden Gemeindialoge dringend weitere Moskitonetze benötigen, um alle schwangeren Frauen und Mütter entsprechend auszustatten. Daher freuen wir uns sehr über weitere Spenden, die uns helfen, diese lebenswichtige Maßnahme fortzusetzen.
Du hast auch an einem Stakeholder Workshop teilgenommen. Wer war dabei und welche Ziele wurden verfolgt?
Die Workshops sind wichtig für die Nachhaltigkeit des Projektes. Dieser brachte Vertreter der Ministerien der Bundesstaaten Oyo, Ogun und Lagos, Verantwortliche für Malaria und Mangelernährung, traditionelle Geburtshelfer und das Projektkommittee zusammen. Ziel war es, gemeinsam nachhaltige Lösungen zu diskutieren und idealerweise Vereinbarungen für die weitere Zusammenarbeit, auch über das Projektende hinaus, zu treffen.
Welche wichtigen Themen und Diskussionen gab es? Wie wurden unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt?
Es gab einen offenen Austausch. Neben der Präsentation bisheriger Fortschritte und bestehender Herausforderungen, ermöglichten Kleingruppendiskussionen die Beteiligten, ihre Anliegen direkt an Entscheidungsträger und das Projektteam zu richten. Die traditionellen Geburtshelfer äußerten den Bedarf an besserer Schulung und Ausstattung, um das hohe Patientenaufkommen besser zu bewältigen. Die durch das Projekt gestärkte Zusammenarbeit mit den staatlichen Kliniken wurde gelobt. Zudem wurden die Möglichkeiten zur langfristigen Bereitstellung von Mikronährstoffen durch die Bundesstaaten intensiv diskutiert. Die Vorschläge werden nun in den weiteren Projektverlauf integriert.
Inwiefern hat die Erfahrung deine Sicht auf Malaria, Mangelernährung und Projekte wie „Little Steps-Big Help“ beeinflusst?
Die direkten Eindrücke haben die Dringlichkeit und Komplexität der Probleme verdeutlicht. Das Engagement und die Kreativität des Teams sind beeindruckend. Integrierte Gemeindedialoge und die Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren scheinen vielversprechend für nachhaltige Veränderungen. Meine Wertschätzung für die Projektarbeit ist noch gewachsen.
April 2025: Programs of Scale "Gemeinsam für gesunde Familien in Nigeria" erhält Großspende in Höhe von 5 Mio. USD
Der nigerianische Unternehmer, Philanthrop und Rotary-Mitglied Sir Emeka Offor stellt über die Sir Emeka Offor Foundation (SEOF) 5 Millionen US-Dollar zur Verfügung, um die Reichweite des Programs of Scale Projekts „Gemeinsam für gesunde Familien in Nigeria“ auszuweiten. Hier finden Sie die Pressemitteilung.
März 2025: Vorstellung der UN-Kampagne "Orange the World"
Am 8. März ist der Weltfrauentag. Das ist für uns ein Anlass, um auf unserer Seite einen kleinen Bericht zur UN-Kampagne „Orange the World“ zu veröffentlichen, geschrieben von Kirsten Roettgermann, unsere Inner Wheel Vertretung in der RMCH. Als RMCH ist es uns wichtig auf dieses weltumfassende Thema aufmerksam zu machen und zum Mitmachen bei der Kampagne anzuregen.
Die UN-Kampagne „Orange the World“ macht seit 1991 auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam: vom Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte. Sie ist seit 2008 Teil der „UNiTE to End Violence against Women“ Kampagne des UN-Generalsekretärs, die von UN Women durchgeführt wird.
Die Signaturfarbe der Kampagne ist Orange. Als leuchtende und optimistische Farbe steht Orange für eine Zukunft frei von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Vom 25. November bis zum 10. Dezember ruft UNiTE jedes Jahr Menschen auf der ganzen Welt dazu auf, die Farbe Orange zu tragen und Maßnahmen zu ergreifen, um Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Gemeinschaften, zu Hause, im öffentlichen Raum, in Schulen und am Arbeitsplatz, in Konfliktsituationen und in Friedenszeiten zu beenden. Der ausführliche Bericht der UN WOMEN zeigt die vielen Aspekte der Gewalt gegen Frauen Facts and figures: Ending violence against women | UN Women – Headquarters
Am 19.11.2024 haben die Bundesministerinnen Nancy Faeser und Lisa Paus zum ersten Mal den aktuellen Lagebericht zu „Geschlechtsspezifsch gegen Frauen gerichtete Straftaten“ vorgestellt (BKA – Meldungen – Bundeslagebild „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2023“). Dabei zeigt sich, dass die Straftaten gegen Frauen und Mädchen in allen Bereichen steigen.
- Im Jahr 2023 wurden im Deliktsfeld der Häuslichen Gewalt 180.715 weibliche Opfer erfasst – 5,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
- Bei Sexualstraftaten wurden 52.330 weibliche Opfer erfasst, eine Zunahme um 6,2 Prozent im Vergleich zum Jahr 2022.
- Von digitaler Gewalt waren 17.193 Frauen betroffen, 25 Prozent mehr als im Jahr 2022.
- 938 Tötungsdelikte an Frauen wurden von der Polizei registriert, neun mehr als im Jahr zuvor. Bei 360 Frauen und Mädchen waren die Tötungsdelikte vollendet, bei 247 dieser Opfer handelte es sich um Häusliche Gewalt.
- In der Fallgruppe Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung wurden 591 weibliche Opfer registriert, 6,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Geschlechtsspezifische Gewalt fängt bei Alltagssexismus an und endet mit Femiziden. Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig und fest in unseren patriarchalen Strukturen verankert.
Gewalt gegen Frauen wird in den meisten Fällen von Männern ausgeübt. Die meisten Täter stehen den Frauen nahe: Partnerschaftsgewalt ist die häufigste Gewaltform und umfasst körperliche, sexualisierte, emotionale, ökonomische und psychische Gewalt. Gewalt in Partnerschaften beginnt häufig mit verbaler Gewalt, die anfangs oft nicht als Gewalt erkannt wird, und eskaliert zunehmend („Gewaltspirale“). Femizide sind die extreme Form dieser Gewalt.
- Alle zwei Tage tötet ein Mann seine (Ex-)Partnerin, weltweit alle 10 Minuten
- Jeden Tag findet ein Tötungsversuch statt.
- Weniger als alle vier Minuten fügt ein Mann seiner Partnerin Gewalt zu.
- Alle zwei Stunden erlebt eine Frau sexualisierte Gewalt durch ihren Partner.
Gewalt gegen Frauen geht uns alle an!
2023 wurden 155 Frauen von ihrem (Ex-)Partner getötet. Ihr Tod wäre vermeidbar gewesen: Durch Gewaltprävention, Täterarbeit, umfassende Schutz- und Hilfsangebote, Zugang zur Justiz und Aufklärung. Die UN WOMEN Deutschland macht auf ihrer Homepage auf viele Möglichkeiten aufmerksam und gibt Ideen für die Unterstützung der 16 days vom 25.11. bis 10.12. Orange the World – UN Women Deutschland sowie zum aktiv werden für ein Ende der Gewalt gegen Frauen Aktiv werden: Für ein Ende der Gewalt gegen Frauen – UN Women Deutschland.
Februar 2025: Spannende externe Fördermöglichkeiten für Projekte im Bereich reproduktive-, Mütter- und Kindergesundheit
Liebe Mitglieder und Unterstützer*innen,
heute möchten wir zwei attraktive Fördermöglichkeiten vorstellen, mit denen Sie Ihre Projekte ergänzen bzw. erweitern können. So können Sie ein Glrobal Grant-Projekt (GG-Projekt) zum Beispiel durch Mittel der Else-Kroener-Fresenius-Stiftung nochmals um einen weiteren Betrag hebeln oder im Rahmen des Programms Klinikpartnerschaften eine konkrete nachhaltige Partnerschaft mit einer medizinischen Einrichtung aufbauen.
- Medizinisch-humanitäre Förderlinie der Else-Kroener-Fresenius-Stiftung
Was ist das Ziel?
Die EKFS unterstützt Projekte, die direkte medizinische Hilfe für Patienten, Maßnahmen zur Verbesserung der medizinischen Infrastruktur sowie medizinische Aus- und Weiterbildungsprojekte in Entwicklungsländern beinhalten.
Wer kann sich bewerben?
Antragsberechtigt sind öffentlich-rechtliche Gesundheitseinrichtungen, wie Universitätskliniken, Krankenhäuser und gemeinnützige Organisationen und Vereine mit medizinischer Ausrichtung aus Deutschland oder dem europäischen Ausland. Es sollte bereits Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation nachgewiesen werden.
Was wird gefördert?
Die EKFS bietet finanzielle Unterstützung für Projekte, die medizinische Versorgung verbessern, die Infrastruktur stärken und die Ausbildung von medizinischem Personal fördern. Lesen Sie hier mehr über das Projekt „Little Steps-Big Help“ in Nigeria, das von der Fresenius-Stiftung, TRF und verschiedenen Rotary Clubs finanziert wird.
Wie hoch ist die Förderung?
Die Höhe der Förderung liegt zwischen 50.000 und 300.000 EUR für Projekte mit einer Laufzeit von max. 36 Monaten. Eigenmittel in beliebiger Höhe können zum Beispiel über einen GG eingebracht werden, so dass die Projektgesamtsumme entsprechend erhöht wird.
Wann und wie kann man sich bewerben?
Anträge können jederzeit bei der EKFS eingereicht werden. Im ersten Schritt sollte eine kurze Concept Note erarbeitet werden. Die Unterlagen für den Vollantrag und weitere Informationen finden Sie unter diesem Link.
Kontaktieren Sie RMCH gern für mehr Informationen. Wir besprechen mit Ihnen, ob sich Ihre Projektidee für die Art der Förderung eignet, und unterstützen Sie ggf. im Antragsprozess.
- Programm Klinikpartnerschaften der GIZ
Das Programm Klinikpartnerschaften wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt.
Was ist das Ziel?
Durch die Förderung von langfristig angelegten Kooperationen zwischen deutschen Kliniken, Universitäten und Nichtregierungsorganisationen mit Partnern in Entwicklungsländern soll die Qualität der Gesundheitsdienstleistungen weltweit verbessert werden.
Wer kann sich bewerben?
Öffentlich-rechtliche Einrichtungen wie Krankenhäuser oder gemeinnützige Organisationen wie RMCH in Deutschland, die eine institutionalisierte Partnerschaft mit einer medizinischen Einrichtung in einem Land mit niedrigem oder mittlerem Einkommen haben. Wir unterstützen Sie gern bei der Suche nach Partnern.
Was wird gefördert?
Gefördert werden Reise- und Trainingskosten, Sachmittel sowie eine Verwaltungskostenpauschale.
Wie hoch ist die Förderung?
Bis zu 50.000 Euro für einen Zeitraum von maximal zwei Jahren, mit der Möglichkeit einer Folgeförderung für insgesamt max. fünf Jahre.
Wann und wie kann man sich bewerben?
Die nächste Ausschreibung ist voraussichtlich im Frühjahr 2025. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Webseite des Programms. Hinweise zur Antragstellung finden Sie hier.
Kontaktieren Sie RMCH gern für mehr Informationen. Wir besprechen mit Ihnen, ob sich Ihre Projektidee für die Art der Förderung eignet, und unterstützen Sie ggf. im Antragsprozess.
Januar 2025: Die MPCDSR-Plattform: Ein Meilenstein für Mütter- und Kindergesundheit in Nigeria
Das alte, papierbasierte System zur Datenerfassung und -auswertung wurde durch eine effiziente, webbasierte Lösung ersetzt.
Nigeria weist weltweit gesehen die höchste Anzahl mütterlicher Todesfälle in Folge vermeidbarer Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen auf. Auch bei der Neugeborenensterblichkeit ist das Land trauriger Spritzenreiter. Die meisten Todesfälle sind durch gezielte Interventionen vermeidbar. RMCH hat sich mit seiner Gründung im Jahr 1996 zum Ziel gesetzt, dies zu ändern. Ein besonderer Fokus lag dabei schon sehr früh auf der Etablierung einer elektronischen Datenerfassung, wofür sich der Gründer der deutschen Sektion, Robert Zinser, beharrlich einsetzte. Die 2016 fertiggestellte Webapplikation NOQA-Network (Network for Obstetric Quality Assurance), später erweitert zur MPCDSR-Plattform (Maternal, Perinatal, and Child Death Surveillance and Response) orientiert sich auch direkt an WHO Empfehlungen zur Überwachung und Intervention von Todesfällen währen der Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett und ist das Flaggschiff zentraler Errungenschaften aus RMCH-Projekten in Nigeria der letzten 30 Jahre. Sie markiert einen entscheidenden Schritt zur Verbesserung der Datenlage und somit zur Reduzierung der Mütter- und Kindersterblichkeit in Nigeria.
Was ist die MPCDSR-Plattform und was macht sie so besonders?
Die MPCDSR-Plattform nutzt eine Webapplikation zur elektronischen Datenerfassung und Auswertung von Kennzahlen zur Qualität geburtshilflicher Versorgung. Dateneingabe und -analyse erfolgen in Echtzeit, was eine sofortige Reaktion auf kritische Ereignisse wie Mütter- und Kindersterbefälle ermöglicht. Die Plattform ist modular aufgebaut, um sie an nationale Richtlinien anzupassen. Die automatische Generierung aussagekräftiger Statistiken und Grafiken zeigen Qualität der Datenerfassung sowie Kliniken und Regionen mit Defiziten in medizinischer und pflegerischer Versorgung. Die Datenerfassung ist auch in Gebieten ohne Internetverbindung möglich. Die Sicherheit und Vertraulichkeit der Daten werden durch Passwörter und organisatorische Protokolle geschützt. Insgesamt ersetzt die MPCDSR-Plattform überholte papierbasierte Systeme durch effizientere und zeitgemäße Lösungen und kann damit gezielter Leben retten.
Zainabs Geschichte erzählt, wie das möglich wäre: Im Hope General Hospital des Bundesstaates Oyo kämpft im November 2022 das Ärzteteam um das Leben von Zainab, einer 27-jährigen Mutter von drei Kindern. Sie wird mit starken Blutungen eingeliefert. Trotz aller Bemühungen stirbt sie kurz nach der Geburt. Ihr Tod war eine Tragödie – aber zugleich auch ein Weckruf. Das MPCDSR-Komitee suchte nach Ursachen, um künftige Fälle zu verhindern. Es kam zu dem Schluss, dass Zainab zu spät an eine Spezialklinik überwiesen wurde. Das örtliche Gesundheitspersonal war nicht ausreichend geschult, um die Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Außerdem gab es im Hope General Hospital nicht ausreichend Blut für eine Notfalltransfusion. Schließlich hatte Zainab während der Schwangerschaft kaum an Vorsorgeuntersuchungen teilgenommen. Das Komitee stellte zudem fest, dass sich mütterliche Todesfälle in der Gemeinde des Krankenhauses signifikant häuften. Anhand der Datenlage empfahl das Komitee dem staatlichen Gesundheitsministerium, in der Region gezielt zu intervenieren. Daraufhin wurden Schulungen für Gesundheitskräfte zur besseren Risikoeinschätzung durchgeführt, ein Blutspendeprogramm aufgebaut und Aufklärungskampagnen für Schwangere zur Vorsorge durchgeführt. Wenige Monate später kam eine andere Frau mit ähnlichen Komplikationen ins Krankenhaus. Dieses Mal war alles anders: Die Überweisung erfolgte rechtzeitig, eine Bluttransfusion war verfügbar – und die Mutter überlebte. Dank der Webapplikation sowie der initiativergreifenden Interventionen des lokalen MPCDSR Komitees wurde aus Zainabs tragischem Schicksal eine lebensrettende Veränderung. Ihre Geschichte zeigt deutlich, wie jeder erfasste und systematisch analysierte Fall hilft, das Gesundheitssystem zu verbessern und dadurch künftig auch das Leben von Müttern zu schützen.
Welche Rolle hat RMCH bei der Einführung von MPCDSR in Nigeria gespielt?
RMCH hat entscheidend zur Verbesserung der Versorgung von Müttern und Kindern in Nigeria beigetragen, insbesondere durch Einführung der webbasierten MPCDSR-Plattform. Mit Nicholas Lack als langjährigem Experten für Qualitätssicherung in der Geburtshilfe und mit Unterstützung durch Samuel Oyeniyi, Direktor der Familiengesundheit im FMoH (Federal Ministry of Health), wurde die Plattform für den Einsatz in allen 37 Bundesstaaten zur Qualitätssicherung von Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge in über 40000 primären, sekundären und tertiären Gesundheitseinrichtungen sowie auch im kritischen außerklinischen Bereich in knapp 8000 Gemeinden optimiert. Diese Kooperationsleistung wurde soeben im alle 10 Jahre erscheinenden Bericht* der Weltgesundheitsorganisation ausführlich gewürdigt. Konkret wurden im Rahmen der RMCH-Projekte Schulungen für medizinisches Fachpersonal und Statistiker in ganz Nigeria durchgeführt. Diese Schulungen folgen dem „Train-the-Trainer“-Ansatz, und sollen Datenerfassung sowie -analyse verbessern, damit daraus konkrete Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Versorgung abgeleitet werden können. Mittlerweile werden die Schulungen eigenständig durch den Staat finanziert und durchgeführt. Darüber hinaus wurden wichtige Kontakte zu Regierungsstellen sowie strategische Partnerschaften zu Stakeholdern aufgebaut, welche die Zusammenarbeit und den Austausch förderten. Das FMoH (nigerianisches Bundesgesundheitsministerium) hat mittlerweile die Plattform auf einen Server in Nigeria verlagert und somit auch deren Verwaltung gänzlich übernommen. Dies stärkt Eigenverantwortung und nachhaltige Nutzung der Plattform. Zusätzlich initiierte RMCH den Gesetzgebungsprozess und erzielte mit gezielter Advocacy-Arbeit die gesetzliche Verankerung sowie den expliziten Einsatz eben dieser MPCDSR-Plattform.
Im Rahmen des RMCH Program of Scale: „Together for Healthy Families“ wird die MPCDSR-Plattform ebenfalls genutzt, um ihre Funktionalität und Reichweite zu vergrößern. Eine wesentliche Herausforderung bleibt allerdings u.a. noch die Verbesserung sowohl der essenziellen Datenerfassung als auch der Einzelfallanalyse von Todesfällen auf Gemeindeebene. Dazu sind im Rahmen des Projektes weitere Schulungsmaßnahmen geplant, die darauf abzielen, die Bedeutung der Datenerhebung vor Ort für gezielte qualitätsverbessernde Interventionen zu verdeutlichen.
*Maternal and perinatal death surveillance and response – Global report on decade of implementation (WHO, 2024), 7. Case study: Nigeria Bolstering political will and commitment through the development and implementation of an MPDSR legal framework (S.70-83).
Hinweis: RMCH wird in diesem Artikel unter Rotary International gefasst.
Um noch mehr Aktivitäten umsetzen und mehr Menschen erreichen zu können, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.
Aktuell freuen wir uns besonders über Spenden für unser mit dem Program of Scale Award 2022 ausgezeichneten Projekt „Together for Healthy Families in Nigeria“.
Wir freuen uns über Ihre Spende, für die Sie selbstverständlich eine Spendenbescheinigung von RDG erhalten (mit Ausnahme von reinen Clubspenden).
Die Kontoverbindung für Ihren Beitrag zum Projekt „Together for Healthy Families in Nigeria“ lautet:
Rotary Deutschland Gemeindienst e.V.; DE69 3007 0010 0394 1200 04; BIC: DEUTDEDD
- Für persönliche Zuwendungen für dieses Projekt können Spender*innen jetzt auch eine offizielle Spendenanerkennung der Rotary Foundation, wie z.B. Major Donor. Dazu geben Sie bitte folgenden Verwendungszweck an: Name, Vorname, MemberID (von RI), 2914 Scale Grant.
- Für alle anderen wertvollen Beiträge zu dem Projekt verwenden Sie bitte: Spender*innen Name, Clubnummer, Projekt 1860002468 Scale Grant, als Referenz.
- Nicht-Rotarier*innen bitten wir, für die Spendenbescheinigung zusätzlich ihre Adresse im Verwendungszweck anzugeben.
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